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kriechen, 3:21 min, 2017

Performance und Schnitt: Taj Irzhavsky

Kamera: Lita Jul

Wer sich kriechend durch den öffentlichen Raum bewegt, exponiert den eigenen Körper als

Schwelle zwischen Sichtbarkeit und Verletzlichkeit und riskiert zugleich, im Blick der

anderen zum Sinnbild gesellschaftlicher Aushandlung zu werden. Die Geste des Kriechens

unterwandert die aufrechte Körpernorm und markiert eine sensible Zone, in der Fragen von

Macht, Kontrolle und Empathie neu verhandelt werden können. Zwischen Inszenierung und

Wirklichkeit entsteht ein Moment radikaler Präsenz. Einerseits das soziale Alltagstheater,

das Goffman als ständige Selbstpräsentation beschreibt; andererseits die reale körperliche

Situation, die diese Rollen kurz außer Kraft setzt. Wenn im Hintergrund zufällig Beethovens

›Alle Menschen werden Brüder‹ erklingt, überlagert sich der Pathos universaler Gleichheit

mit der konkreten Erfahrung einer körperlichen Ausgesetztheit durch Andersartigkeit. So

verhandelt die Performance vielleicht nicht nur Sichtbarkeit und Risiko, sondern die

Möglichkeit, im Akt des Kriechens, Ausharrens und der Entblößung das utopische

Versprechen von demokratischer Gemeinschaft (Hannah Arendt) neu zu befragen.

Aileen Treusch

 

 

Herzlicher Dank an Andrea Isa und das Team von HafenKunstKino, Prof. Robert Fleck,

Prof. Rita McBride, Mathias Neuenhofer, Prof. Johannes Paul Raether, Susanna

Schoenberg, Lis Schröder, Aileen Treusch und Lita Yule für ihre großzügige Unterstützung.

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